Dialog: Die Ergebnisse

An Baublock-Modellen erarbeitete die Dialoggruppe Empfehlungen für das Vermarktungskonzept (Bild: Stadt Freiburg/ Patrick Seeger)

Der Dialog zur Vorbereitung der Vermarktung brachte zahlreiche Ergebnisse, die dem Gemeinderat im Februar 2022 übergeben wurden. Die Dialoggruppe hat dafür Antworten auf die Frage „Wer baut in Dietenbach was für wen?“ erarbeitet. Die wichtigsten Ergebnisse waren Empfehlungen und ein Leitbild zur Vermarktung.

Ergebnis 1: Empfehlungen zum Vermarktungskonzept

Das erste zentrale Ergebnis sind Quoten, die die Dialoggruppe entwickelt hat: Welche Bauherren sollen in Dietenbach bauen? Welche Arten von Wohngebäuden sollen entstehen? Und welche Anteile von Miet- oder Eigentumswohnungen werden benötigt?

Vier Menschen mit Maske sitzen um einen Tisch mit Holzklötzchen und Aufklebern
Rechteckig angeordnete Holzklötzchen mit bunten beschrifteten Aufklebern
Eine Dame mit Sonnenbrille und zwei Männer übergeben sich Geschenke auf einer Wiese unter blauem Himmel

Drei Kleingruppen haben dafür in zwei Workshops an Baufeldern aus dem städtebaulichen Rahmenplan eigene Vermarktungsmodelle  entwickelt. Wie in einem Puzzle wurden dafür Holzklötzchen für verschieden Gebäudetypen platziert - zum Beispiel für kleine Townhouses oder große Mehrfamilienhäuser. Für jedes Gebäude wurden dann die Anteile von Miete oder Eigentum festgelegt, und ob diese gefördert oder freifinanziert sind. Außerdem wurde den Gebäuden ein Bauherr zugeordnet - beispielsweise Genossenschaften oder freie Wohnungsunternehmen.

Die vorgeschlagenen Quoten der drei Kleingruppen

Modell von Gruppe 1

Kuchengrafik: Eigentum 39,67%, geförderter Mietwohnungsbau 45,4%, freifinanzierter Mietwohnungsbau 14,93%; Kuchengrafik: Townhouse klein 4,48%, Townhouse groß 7,96%, Geschosswohnen klein 12,94%, Geschosswohnen mittel 44,78%, Geschosswohnen groß 29,85%; ; Kuchengrafik: Freie Wohnungsunternehmen 7,46%, Einzelbauherren 8,46%, Baugruppen 16,92%, Stadtbau 29,85%, Genossenschaften/Mietshäusersyndikat 37,31%

In der Gesamtbe­trachtung sind die Schnittmengen der Modelle untereinander entscheidend. Die allen Modellen zu Grunde liegenden Tendenzen lassen sich so zusammenfassen:

Ergebnis 2: Leitbild für die Vermarktung

Texte in Farbfeldern angeordnet
Das von der Dialoggruppe erarbeitete Leitbild (Bild: Stadt Freiburg)

Die Dialoggruppe hat als zweites wichtiges Ergebnis ein übergeordnetes Leitbild für das Vermarktungskonzept entwickelt, das sich an die Bauverwaltung, den Gemeinderat, den Kooperationspartner EMD und nicht zuletzt auch an die künftigen Investoren, Bauherr_ innen und Architekt_innen in Dietenbach richtet. Es lautet „Dietenbach übernimmt Verantwortung – nachhaltig, inklusiv, sozial.“ und fasst die Ziele, die die Gruppe mit den Quoten bei den Baublöcken erreichen möchte, in einprägsame Worte. Die zentralen Inhalte und was der Dialoggruppe dabei wichtig ist:

„Dietenbach übernimmt Verantwortung – nachhaltig, inklusiv, sozial.“

Das Leitbild soll die handelnden Akteure an die hohe gemeinsame Verantwortung für die Entwicklung eines neuen Stadtteils erinnern, der den heutigen und künftigen Anforderungen gerecht werden muss: Hohe Nachfrage auf der einen Seite und knappes Bauland auf der anderen Seite führen zu einer Anspannung des Wohnungsmarktes. Seit Jahren steigen die Miet- und Bodenpreise in Freiburg. Die Versorgung mit Wohnraum wird für immer mehr Menschen schwierig, eine soziale Entmischung droht. Auch für Wohnformen, die Antworten auf den demografischen Wandel bieten, gibt kaum eine Chance auf bezahlbare Grundstücke. Daneben muss das Bauen angesichts des Klimawandels zukunftsfähige Lösungen finden.

Gefordert werden seitens der Dialoggruppe daher

  • eine ökologische Bauweise im Sinne des Klimaschutzes (nachhaltig),
  • die Schaffung von sozialem bzw. bezahlbarem Wohnraum, um auch einkommensschwache Gruppen mit preisgünstigem Wohnraum versorgen zu können (sozial)
  • sowie die Ermöglichung der Teilhabe aller Menschen am Wohnen und Leben in Dietenbach, um einer Ausgrenzung sozial benachteiligter Gruppen und Segregationstendenzen entgegenzuwirken (inklusiv).

Die Umsetzung des Leitbildes hängt – neben zu treffenden Regelungen z.B. in der Bauleitplanung oder durch Wettbewerbe – auch maßgeblich von der Vermarktungskonzeption und ihren Vergabekriterien und Vorgaben ab.

Dem übergeordneten Leitbild liegen vier Themen mit jeweils eigenen Zielen zu Grunde. Zu jedem Themenfeld hat die Gruppe ebenfalls einen Slogan entwickelt. Die hier aufgelisteten Grundgedanken zu den Slogans sind nicht abschließend, sondern umfassen die am häufigsten benannten Aspekte:

Innovation und Anspruch: "Dietenbach, sozial, ökologisch, gemeinschaftlich gut"

  • Grundstücke sollen nach Konzeptqualität vergeben werden. Das heißt, nicht der Höchstbietende erhält den Zuschlag, sondern derjenige mit dem besten Konzept. So erhalten auch Baugemeinschaften die Chance, passende Flächen zu erwerben. Gleichzeitig können auch besondere Wohnformen wie Mehrgenerationenwohnen Berücksichtigung finden.
  • Die Dialoggruppe wünscht sich im Rahmen der Vermarktung eine Konzeptvielfalt. Bauprojekte sollen sich voneinander unterscheiden und dabei über die Wohnnutzungen hinaus auch eine stärkere Gemeinschaftsbildung und Nutzungsmischung ermöglichen, z.B. Arzt-Praxen und Räume für kulturelle Projekte in der Erdgeschosszone.
  • Bei allen Ansprüchen an lebenswerte und qualitätsvolle Baukonzepte muss es auch günstigen Wohnraum geben. Voraussetzung dafür: Die Anforderungen an das Bauen sollen teilweise auf einen Mindest-Standard in einfacher Bauweise beschränkt sein.

Bauherrenkonzept: „Erschwinglichkeit und Lebensqualität für alle statt maximale Rendite für wenige“

Insgesamt wird zur Umsetzung vielfältiger Wohnphilosophien und Ansprache breiter Zielgruppen eine Vielzahl an Bauherrenkonzepten in Dietenbach gewünscht:

  • Aus Sicht der Dialoggruppe darf Wohnraum kein Spekulationsobjekt sein.
  • Bauherrenkonzepte/Wohnungsunternehmen werden bevorzugt, die ihre Wohnungen langfristig im Bestand halten und soziale Anliegen der Mieter_ innen berücksichtigen.
  • Neben der Freiburger Stadtbau, Einzelbauherren für Eigennutzung und Baugruppen sollen auch kooperative Projekte wie Mietshäusersyndikat und Genossenschaften in Dietenbach Wohnungen bauen, die mit einer Sozialbindung ausgestattet und unverkäuflich sind. Auch freie Wohnungsunternehmen sollen seitens der Dialoggruppe in Dietenbach zum Zuge kommen, sofern sie die Wohnungen nicht als rein spekulatives Anlageobjekt sehen, sondern auch soziale Verpflichtungen wahrnehmen und für eine längerfristige Bestandssicherung stehen.

Marktsegment: „Von vielen gewählt – für alle gebaut“

  • Dietenbach darf kein einseitig strukturiertes Quartier werden, sondern soll die Freiburger Stadtgesellschaft abbilden. Bei der Grundstücksvergabe müssen alle Menschen und Bedarfsgruppen in den Blick genommen werden – u.a. junge Menschen, Ältere, Familien, Alleinerziehende, Einkommensschwache. Dafür müssen verschiedene Marktsegmente bedient werden, um eine soziale Vielfalt zu gewährleisten.
  • Vor allem braucht es bezahlbare Mietwohnungen, die auch für einkommensschwächere Personengruppen bezahlbar sind.
  • Um Segregation und gute bzw. benachteiligte Lagen zu vermeiden, sollen geförderte Mietwohnungen und Eigentum im Block und im Gebäude gemischt werden.

Gebäudetypen: „Architektonische Vielfalt für lebendiges Wohnen“

  • Für die Vermarktung wird innerhalb des Blocks eine differenzierte Grundstücksbildung aus großen und kleinen Parzellen im Block erwartet, die eine Vielfalt an unterschiedlichen Bauprojekten unterstützt.
  • Die Parzellierung sollte im Gesamtbild aus Gründen der Wirtschaftlichkeit nicht zu kleinteilig, anderseits auch nicht zu großteilig sein, um Monotonie vorzubeugen.
  • In Abwägung einer flächeneffizienten, ökonomischen Bauweise einerseits und Wohnqualität andererseits, sollten Blöcke nicht komplett geschlossen vermarktet und bebaut werden. Blocköffnungen für mehr Licht und Luft und eine bessere Durchlässigkeit werden gewünscht.

Der Abschlussbericht

Alle Einzelheiten zum Beteiligungsprozess und den Ergebnissen finden sich im Abschlussbericht (8,995 MB), der dem Gemeinderat übergeben wurde.

Abschlussbericht zum Herunterladen (PDF) (8,995 MB)

Evaluation des Dialogs

Der Dialogprozess wurde vom Seminar für Wissenschaftliche Politik der Universität Freiburg begleitet und evaluiert.